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Offene Beziehungen und Polyamorie Teil 3 Eifersucht
23. Oktober 2019
Unendlich viel Liebe. Gibt es das ?
Unendlich viel Liebe. Gibt es das ?

Eifersucht ist in allen Beziehungen ein großes Thema, besonders jedoch in polyamoren. Für viele Menschen ist genau das der Grund, eine solche Beziehung gar nicht erst einzugehen. Die Angst vor der Eifersucht ist oft größer als der Wunsch nach Veränderung. Wenn Sie offen und nicht monogam leben möchten, sollten Sie lernen, mit Ihrer Eifersucht umzugehen.
 

Eifersucht hat viele Ursachen

Eifersucht ist meist eine Mischung aus unterschiedlichen Gefühlen. Vielleicht haben Sie Angst davor, verlassen zu werden. Es kann aber auch sein, dass es Sie wütend macht, keine vermeintliche Kontrolle mehr über Ihren Partner zu haben. Manche Menschen empfinden auch Scham, weil Sie sich abgewertet fühlen. Oder sie werden traurig, weil sie befürchten, dass sie ihren exklusiven Platz in der Beziehung verlieren.  Damit eine offene oder polyamore Beziehung gelingen kann, darf das Gefühl der Eifersucht nicht tabuisiert werden. Bereiten Sie sich auf Situationen vor, in denen Sie Eifersucht verspüren könnten.

Lassen Sie sich von der Eifersucht nicht verunsichern

Treffen Sie für solche Situationen Vorkehrungen. Besuchen Sie eine Freundin oder einen Freund, mit dem Sie reden können. Oder unternehmen Sie andere Dinge, die Ihnen Spaß machen.  Setzen Sie sich nicht selbst unter Druck, wenn das Gefühl der Eifersucht aufkommt. Gefühle kann man nicht weg leugnen. Man kann aber lernen besser damit umzugehen. Viele Menschen ärgern sich und zweifeln an sich , weil sie der Meinung sind, dass Sie dieses Gefühl besser wegstecken oder aushalten müssten. 

Eifersucht lässt sich nur schrittweise reduzieren

Zudem ist es in der polyamoren Szene ein weit verbreitetes Ideal, dass sich der Partner mit zu freuen hat. Dazu müssen Sie jedoch erst einmal lernen, die Eifersucht zu überwinden oder bestenfalls sogar in positive Gefühle wie Mitfreude umzuwandeln. Sie benötigen dafür viel Geduld und müssen kontinuierlich üben. Wenn Sie die Eifersucht öfters erlebt und quasi “überlebt” haben, wird sie ihren Schrecken verlieren. Dies gilt insbesondere, wenn sich Ihr Partner kooperativ und liebevoll verhält. 

Gehen Sie gegenseitig rücksichtsvoll mit der Eifersucht um

Lassen Sie nicht zu, dass durch die Eifersucht das Gleichgewicht Ihrer Beziehung auseinanderbricht. Dies kann dann entstehen, wenn Ihr Partner dem oder der Neuen deutlich mehr Raum gibt als Ihrer bestehenden Partnerschaft, beispielsweise in Form von Zeit, Geschenken, Aufmerksamkeit oder Intimität. In diesem Fall müssen Sie mit Ihrem Partner reden und neu verhandeln. Ihre Ursprungsbeziehung sollte sich nämlich durch die neue Liaison nicht zum Negativen wenden und defizitär werden. 

Entsteht eine solche destruktive Asymmetrie und wird keine Lösung gefunden, kann es sein, dass die Beziehung daran zerbricht. Das Ideal der Polyamorie ist jedoch eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Wenn es am Ende jedem besser geht als zuvor, ist die offene Beziehung geglückt. Alle sollen von dieser Beziehungskonstellation profitieren, in der Persönlichkeit wachsen und etwas Neues erleben. 

Lassen Sie frischen Wind in die Beziehung hinein

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Teilhabe. Seien Sie gewillt, mit  Ihrem Partner zu teilen, was Sie Neues erleben. Bringen Sie es mit nach Hause und lassen Sie Ihre Beziehung daran partizipieren. Im Idealfall mögen sich die Beteiligten und bilden Freundschaften. Dies ist jedoch eine hohe Kunst und erfordert viel Sensibilität vom Center, als der Person, die in der Mitte der Beziehungskonstellation steht.

Finden Sie ein Ritual, das zu Ihnen passt

Finden Sie mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin ein persönliches Ritual, das so rasch wie möglich die Nähe wieder herstellt, wenn ein Gefühl der Entzweiung entstanden ist. Wenn es nicht sofort funktioniert, dann probieren Sie verschiedene Rituale aus und sprechen Sie über Ihre Erfahrungen. Scheuen Sie sich nicht, Strategien wieder zu verwerfen und Neues auszuprobieren. In diesem langwierigen Prozess ist Geduld und der Wille gefordern, einzeln und gemeinsam an der Beziehung zu arbeiten. Die wenigsten von uns haben gelernt, mit ihrer Eifersucht umzugehen. 

Wie ist es um Ihr Selbstwertgefühl bestellt?

Versuchen Sie, in Ihrem Herzen und somit im Augenblick zu sein. Wenn Sie sehr eifersüchtig sind, sollten Sie prüfen, wie es mit Ihrem Selbstwertgefühl bestellt ist. Machen Sie Ihr Wohlbefinden allein davon abhängig, wie viel Anerkennung und Liebe Ihr Partner Ihnen schenkt? Wenn dies Ihr Fundament ist, steht es leider auf äußerst wackeligen Beinen, weil Sie sich damit in eine Abhängigkeit von Ihrem Partner begeben.

Prüfen Sie, ob es wirklich Eifersucht ist

Nicht immer ist das negative Gefühl Eifersucht.  Vielleicht sind Sie verunsichert und haben Angst vor der unbekannten Situation. Sie können bewusst die Perspektive wechseln. Der Philosoph Roland Barthes meint, dass wir selbst es sind, die uns eifersüchtig machen. Wenn Sie selbst jedoch der Ursprung dieser Emotion sind, können Sie es auch aktiv beeinflussen. Ein erster hilfreicher Schritt ist, das Gespräch mit dem Partner zu suchen. So schwer es oft fallen mag, so häufig sich Situationen wiederholen werden. Schrittweise wird es dann leichter fallen, damit umzugehen.

Üben Sie sich in Selbstliebe und Selbstwertschätzung

Aber auch Selbstliebe ist elementar, um die Eifersucht in den Griff zu bekommen. Sie können nur dann geliebt werden, wenn Sie sich selbst lieben. Indem Sie sich selbst als liebenswert und wertvoll erachten, machen Sie sich frei von jeder Abhängigkeit. Ihre Eifersucht wird dadurch deutlich gemildert, weil Sie selbst erkennen, was der Partner an Ihnen hat und dass er keinen Grund hat, Sie zu verlassen. Seien Sie nicht entmutigt, wenn Ihnen das am Anfang unerreichbar vorkommt. Seien Sie mitfühlend mit sich selbst, aber auch mit dem Partner. Sie beide befinden sich in einem Prozess der Lernens und des miteinander Wachsens. 

Feueralarm Eifersucht - Abkühlung bringt Hilfe

In einer polyamoren Beziehung ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Partner offen und ehrlich über Ihre Eifersucht sprechen. Sie können Eifersucht mit einem Feueralarm vergleichen, der in Ihrem Zuhause angeht. Sie werden aufmerksam und bekommen das Gefühl, dass irgendwas falsch ist. Im ersten Moment können Sie jedoch nicht einordnen, was genau das ist. Wenn Sie den Feueralarm nicht ausschalten, wird es Ihnen schwer fallen, herauszufinden, was genau nicht in Ordnung ist. Wie kann diese Abkühlung entstehen?

Fokussieren Sie auf das Gefühl in Ihrem Körper

Wenn Sie merken, dass Sie eifersüchtig werden, müssen Sie im ersten Schritt auf den Stress reagieren, der in Ihrem Körper auftritt. Nehmen Sie einen tiefen Atemzug und versuchen Sie herauszufinden, wo Sie das Gefühl in Ihrem Körper spüren. Spüren Sie es in der Magengegend, in Ihrem Nacken oder in Ihren Schultern? Nutzen sie die Kraft Ihres Atems. Sie können bewusst das Einatmen und Ausatmen verlängern. Legen Sie die Händes auf ihre Brust und lenken sie den Atem in jenen Körperteil, in dem die Eifersucht am meisten brennt. Wenn Sie die Aufmerksamkeit in diesen Bereich lenken, wird der Atem die Hitze kühlen. Sie werden sich automatisch beruhigen und mit einigen Wiederholungen werden Sie lernen sich von dem Gefühl zu distanzieren. 

Üben Sie sich in Hingabe an das Unbekannte

Ein anderer Weg, um mit der Eifersucht in einer polyamoren Beziehung besser zurecht zu kommen, ist es, sich selbst zu zwingen, mit dem Unbekannten besser zurecht zu kommen. Was passiert, wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin bei einem Date ist? Denken Sie sich in Ihrem Kopf die schlimmsten Szenarien aus und haben Sie Angst, dass Sie Ihren Partner an diese Person verlieren? 

Werden Sie sich bewusst, welche Geschichten Sie sich ausdenken, und ändern Sie diese. Fokussieren Sie sich vom Unbekannten auf Dinge, die Sie aktiv erlebt haben oder beeinflussen können. Dies kann beispielsweise der letzte Urlaub mit Ihrem Partner sein, schöne Erinnerungen oder auch die Pläne für das kommende Wochenende. Üben Sie sich in Hingabe an das Unbekannte - Sie können sowieso nicht ändern, was geschieht. 

Die häufigsten Gründe für Eifersucht:

Angst verlassen zu werden

Wenn Sie große Angst davor haben, dass Ihr Partner Sie verlässt, lohnt sich eine kritische Auseinandersetzung mit Ihrem Selbstwertgefühl. Nehmen Sie sich als liebenswerten, attraktiven Menschen dar, der es wert ist, in Liebe zu leben? Oder fühlen Sie sich nur dann vollwertig, wenn Sie mit Ihrem Partner zusammen sind? Ihr Selbstwertgefühl sollte niemals von einer anderen Person abhängen. Wenn Sie von starker Verlustangst geprägt sind, sollten Sie gezielt daran arbeiten, Ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

Angst ausgeschlossen zu werden

Wir alle kennen das unschöne Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Besonders unangenehm ist es, wenn es in einer Beziehung vorkommt. Fühlen Sie sich ausgeschlossen, wenn Ihr Partner sich ohne Sie mit jemandem trifft? Um mit dieser Art von Eifersucht umzugehen, sollten Sie versuchen, solche Zeiten mit etwas zu füllen, das Ihnen gut tut. Treffen Sie sich mit Freunden zum Kuscheln oder unternehmen Sie etwas. Sitzen Sie auf keinen Fall alleine zuhause, während Ihr Partner oder Ihre Partnerin unterwegs ist.

Angst benachteiligt zu sein

Haben Sie öfters das Gefühl, in Ihrer Partnerschaft zu kurz zu kommen? Möchten Sie, dass Ihr Partner mehr Zeit mit Ihnen verbringt? Diese Seite der Eifersucht ist eng verwandt mit Neid und dem ständigen Vergleich, wer besser weg kommt. Wenn Ihr Partner attraktiver ist als Sie, fällt es ihm oder ihr eventuell leichter, andere Menschen anzuziehen. Vergraben Sie sich nicht daheim, sondern gehen Sie unter Menschen. In der Polyamorie steigt die Zufriedenheit aller Beteiligten, wenn beide Partner ungefähr gleich viele Außenbeziehungen haben.

Misstrauen

Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht und trauen deshalb Ihrem Partner unbewusst nichts Gutes zu: Sie befürchten beispielsweise, dass er oder sie sich in jemand anderes verliebt. Werden Sie sich zunächst darüber bewusst, ob Sie wirklich bereit sind für die Polyamorie. Reden Sie dann mit Ihrem Partner über das Thema Ehrlichkeit und setzen Sie klare Prioritäten in Ihrer Beziehung. Grundsätzlich sollten Sie an Ihrem Selbstbewusstsein arbeiten und gegebenenfalls alte Kindheitsthemen lösen, um aus dem Misstrauen herauszukommen und sich für die Liebe öffnen zu können.. 

Sieben Hinweise, die Ihre Eifersucht reduzieren:

  • Arbeiten Sie kontinuierlich an Ihrem Selbstwertgefühl
  • Sprechen Sie etwaige Missstände rechtzeitig an
  • Werden Sie sich darüber bewusst, was genau Sie eifersüchtig werden lässt und ändern Sie diese Situationen, wenn möglich
  • Werden Sie selbst aktiv, damit Sie nicht in die Opferrolle fallen
  • Visualisieren Sie im Vorfeld eine positive Reaktion Ihrerseits, wenn Sie dem Partner wieder begegnen
  • Überprüfen Sie Ihre Glaubenssätze zum Thema Liebe
  • Übernehmen Sie die volle Verantwortung für Ihre Eifersucht

Ein Hilfepaket bei Eifersucht:

  • Geben Sie ihren Schmerzen nicht weiter Raum, sondern lenken Sie sich ab. Gut ist es, wenn Sie etwas Körperliches machen, beispielsweise Yoga, Tanzen oder Joggen gehen.
  • Wenn Sie wütend sind, lassen Sie Ihre Wut heraus und gehen beispielsweise in den Wald, um laut zu schreien. Sie können auch in ein Kissen oder einen Boxsack hauen.
  • Bereiten Sie sich selbst eine Freude und beschenken Sie sich.
  • Nehmen Sie wahr, wo genau in Ihrem Körper sich die Emotion äußert, und atmen Sie bewusst in diese Stelle.
 
Fazit

In polyamoren Beziehungen kommen Sie immer wieder mit dem Thema Eifersucht in Kontakt. Nehmen Sie diese Situationen bewusst an, aber lassen Sie nicht zu, dass der Schmerz sie übermannt. Besser ist es, wenn Sie sich ablenken und etwas Schönes unternehmen. Wenn Sie immer wieder durch bestimmte Situationen angetriggert werden, vermeiden sie diese. Dafür benötigt es Arrangement, das beide Seiten auch umsetzen können. Bleiben Sie realistisch in Ihren Abmachungen, jeder noch so kleine Schritt bringt Veränderung. Gerade am Anfang einer polyamoren Beziehung geht es meist nicht ohne Kompromisse. Das Wichtigste ist eine offene Kommunikation mit dem Partner und ehrliches  Wollen.